Finanzen 2026

Der Haushaltsentwurf 2026 im Faktencheck – was sagt er über unsere Gemeinde aus?

Finanzen und Haushaltspolitik klingen trocken – sind aber nichts anderes als die Frage: Wie gehen wir mit unseren Ressourcen um?

Ein Blick in den Haushaltsvorbericht 2026 zeigt, wo Hünstetten steht.

Unsere Gemeinde: 10.380 Menschen, alle Generationen

Hünstetten ist Heimat für rund 10.380 Menschen. Eine Gemeinde, die in den vergangenen Jahren gewachsen ist – auch wenn das Wachstum zuletzt etwas abflacht (nur noch +0,55% im 10-Jahres-Vergleich).

Der demografische Wandel ist auch bei uns angekommen: 2.205 Seniorinnen und Senioren leben mittlerweile in Hünstetten – Tendenz steigend. Gleichzeitig haben wir 502 Kinder im Vorschulalter und 1.297 Kinder und Jugendliche im Schulalter.

Was das für uns Grüne bedeutet: Wir brauchen eine Politik, die alle Generationen im Blick behält. Gute Kitas und Schulen sind genauso wichtig wie barrierefreie Wege, Begegnungsorte für Ältere und ein lebenswertes Umfeld für Familien. Nachhaltige Kommunalpolitik heißt: Niemanden zurücklassen.

Bevölkerungsstruktur der Gemeinde Hünstetten

Die Finanzlage: Ehrlichkeit statt Schönreden

Der Haushaltsentwurf 2026 weist ein Defizit von rund 3,2 Millionen Euro aus. Das ist kein Grund zur Panik – aber ein deutliches Signal, dass wir sorgsam mit unseren Mitteln umgehen müssen.

Die gute Nachricht: Hünstetten steht auf einem soliden Fundament. Mit einer Eigenkapitalquote von über 50 Prozent gehört mehr als die Hälfte unseres kommunalen Vermögens wirklich uns – und nicht den Banken.

Der Verschuldungsgrad liegt bei nur rund 42 Prozent und sinkt seit Jahren kontinuierlich. Das ist generationengerecht: Wir vererben keine Schuldenberge.

Die Herausforderung: Defizite bedeuten, dass wir mehr ausgeben als einnehmen. Dauerhaft geht das nicht gut. Nachhaltige Finanzpolitik heißt für uns: Investieren in die Zukunft – ja. Aber nicht auf Kosten kommender Generationen.

Woher kommt unser Geld?

Die wichtigste Einnahmequelle sind Steuereinnahmen – sie machen rund 61 Prozent aller ordentlichen Erträge aus.

Besonders erfreulich: Der Gemeindeanteil an der Einkommensteuer wächst stetig und soll 2026 bei 10,7 Millionen Euro liegen. Das zeigt: In Hünstetten leben Menschen, die hier verwurzelt sind, arbeiten und ihren Beitrag leisten können.

Die Gewerbesteuer bringt voraussichtlich 4 Millionen Euro ein. Hier zeigt sich: Lokale Wirtschaft stärkt die Gemeinde. Deshalb setzen wir uns für nachhaltige Gewerbeentwicklung ein – nicht für Flächenfraß, sondern für zukunftsfähige Arbeitsplätze vor Ort.

Dazu kommen Schlüsselzuweisungen vom Land Hessen (rund 3,9 Millionen Euro) und weitere Zuschüsse. Die Zuwendungsquote sinkt allerdings langfristig – ein Zeichen dafür, dass wir uns nicht auf Geld von oben verlassen können.

Wohin fließt unser Geld?

1. Menschen, die für uns arbeiten: rund 11 Millionen Euro

Der größte Posten sind Personalkosten. Dahinter stehen Erzieherinnen und Erzieher in unseren Kitas, Verwaltungsmitarbeitende, das Bauhof-Team – Menschen, die täglich dafür sorgen, dass unsere Gemeinde funktioniert. Gute Arbeit verdient faire Bezahlung. Wer hier spart, spart am falschen Ende.

2. Steueraufwendungen und Umlagen an den Kreis: fast 10,9 Millionen Euro

Hier liegt ein echtes Problem: Die Kreis- und Schulumlage frisst einen immer größeren Teil unserer Einnahmen. Das schränkt unseren Handlungsspielraum ein. Jeder Euro, der an den Kreis geht, ist dort für die übergeordneten kommunalen Aufgabenfelder, wie Schule, ÖPNV und Soziales zwar wichtig, fehlt uns aber vor Ort für Klimaschutz, Kinderbetreuung oder die Sanierung unserer Gebäude. Hier brauchen wir dringend eine Reform des kommunalen Finanzausgleichs – wobei maßgeblich Bund und Land in der Pflicht sind.

3. Sach- und Dienstleistungen: rund 4,8 Millionen Euro

Energie, Gebäudeunterhalt, Dienstleistungen – hier steckt weiterhin viel Potenzial für mehr Nachhaltigkeit. Energetische Sanierungen, erneuerbare Energien und effiziente Bewirtschaftung können langfristig Kosten senken und gleichzeitig das Klima schützen. Da hat sich in den letzten Jahren einiges getan, doch Hünstetten kann mehr!

Investitionen: Heute handeln für morgen

Trotz der angespannten Lage plant Hünstetten Investitionen von über 5 Millionen Euro – das entspricht rund 498 Euro pro Einwohner. Geld fließt in Grundstücke, Gebäude und Infrastruktur.

Investitionen sind keine Verschwendung – sie sind Vorsorge. Wer heute in Schulen, Kitas und öffentliche Gebäude investiert, schafft Werte, die Jahrzehnte halten. Entscheidend ist: Worin investieren wir?

Für uns Grüne gilt: Jede Investition muss auf Nachhaltigkeit geprüft werden. Energieeffiziente Neubauten, Sanierung statt Abriss, naturnahe Gestaltung von Freiflächen, sichere Radwege – das sind Investitionen, die sich doppelt auszahlen: für den Haushalt und für die Umwelt.

Für einen Klimahaushalt in Hünstetten

Was kostet Klimaschutz in unserer Gemeinde – und was bringt er? Diese Frage lässt sich aus dem aktuellen Haushaltsplan nicht beantworten. Klimarelevante Ausgaben und Einnahmen sind über verschiedene Produktbereiche verstreut und nicht als Ganzes erkennbar. Das wollen wir ändern.

Wir Grüne haben deshalb beantragt, ab 2026 eine gesonderte Klimaschutz-Übersicht als Anlage zum Haushaltsplan zu erstellen: Alle Aufwendungen und Investitionen für Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen auf einen Blick, ergänzt um die erzielten ökologischen und finanziellen Effekte – von Energieeinsparungen über CO₂-Reduktion bis zu Einnahmen aus erneuerbaren Energien. So würde sichtbar, dass Klimaschutz keine Belastung ist, sondern eine Investition, die sich rechnet.

Unser Antrag wurde leider von der Mehrheit abgelehnt. Wir halten dennoch daran fest: Ein transparenter Klimahaushalt ist der erste Schritt zu einer wirklich klimagerechten Kommunalpolitik. Nur wer weiß, wo das Geld hinfließt, kann gezielt steuern – für weniger Emissionen, niedrigere Energiekosten und eine lebenswerte Gemeinde für kommende Generationen.

→ Zum vollständigen Antrag

Arbeit und Wirtschaft: Hünstetten als Lebens- und Arbeitsort

Hünstetten ist nicht nur Schlafgemeinde – rund 1.450 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze gibt es direkt vor Ort. Das stärkt unsere Gemeinde und verkürzt Pendelwege.

Die Arbeitslosigkeit liegt mit 187 gemeldeten Arbeitslosen (Stand Mitte 2024) auf moderatem Niveau, ist zuletzt aber leicht gestiegen. Besonders die Jugendarbeitslosigkeit (12 Personen unter 25) und die Arbeitslosigkeit bei Älteren (67 Personen über 55) verdienen Aufmerksamkeit.

Unser Ziel: Eine lokale Wirtschaft, die gute Arbeit bietet – für alle Altersgruppen, möglichst wohnortnah und zukunftsfähig.

Was wir mitnehmen: Verantwortung für Hünstetten

Der Haushalt 2026 zeigt: Hünstetten ist finanziell solide aufgestellt, aber nicht ohne Sorgen. Die wachsenden Umlagen, der demografische Wandel und die Notwendigkeit zu investieren erfordern kluge, vorausschauende Entscheidungen.

Nachhaltige Haushaltspolitik bedeutet für uns:

  • Generationengerechtigkeit: Keine Schulden vererben, aber auch nicht auf Kosten der Zukunft sparen

  • Ökologische Verantwortung: Investitionen in Klimaschutz und Energieeffizienz rechnen sich – für den Haushalt und den Planeten

  • Soziale Gerechtigkeit: Gute Kitas, Jugendclubs und Angebote für alle Generationen sind kein Luxus, sondern Grundlage einer lebenswerten Gemeinde

  • Transparenz: Die Bürgerinnen und Bürger haben ein Recht zu wissen, wofür ihr Geld ausgegeben wird

Quellenhinweis: Alle Zahlen stammen aus dem offiziellen Haushaltsvorbericht 2026 der Gemeinde Hünstetten (die Haushaltspläne und Vorberichte der letzten Jahre findet man hier: https://www.huenstetten.de/rathaus-politik/verwaltung/haushalt/ )