Pressemeldung

„Scroll dich nicht kaputt“ – Lebhafte Diskussion über Gefahren, Chancen und Zukunft sozialer Netzwerke

Am 17. Februar luden die Grünen Hünstetten zur Diskussionsveranstaltung „Scroll dich nicht kaputt – Social Media zwischen Likes, Druck und Realität“ ins s’Hoflädchen nach Görsroth ein. Zu Gast waren die Bundestagsabgeordnete Ayşe Asar, Sprecherin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, sowie Magnus Heinrich von der Grünen Jugend Rheingau-Taunus (kandidiert auf Listenplatz 18 für die Kreistagswahl) und Helmut Fell (Co-Vorsitzender Grüne Rheingau-Taunus und Kandidat auf Listenplatz 6 für den Kreistag).

Ayşe Asar, Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen und Sprecherin für Forschung, Technologie und Raumfahrt für die Bundestagsfraktion beim Diskussionsabend in Hünstetten

Es entwickelte sich eine engagierte und vielschichtige Diskussion zu einem Thema, das derzeit auch in der Bundespolitik intensiv verhandelt wird: Wie gehen wir als Gesellschaft mit den Auswirkungen sozialer Medien auf Kinder und Jugendliche um?

Dabei stand unter anderem das aktuell diskutierte Verbot von Social Media für Kinder unter 16 Jahren im Raum. Die Teilnehmerrunde beleuchtete ganz unterschiedliche Aspekte – von Bildung und Medienkompetenz über Datenschutz bis hin zur Kritik an den Geschäftsmodellen großer Tech-Konzerne und ihrer sozialen Netzwerke.

Auch über ein Handyverbot an Schulen sowie mögliche Alternativen zu den großen kommerziellen Plattformen wurde lebhaft diskutiert.

Besonders erfreulich: Die Runde war generationenübergreifend besetzt – von 9 Jahren bis Mitte 70. Der jüngste Teilnehmer bereicherte die Diskussion mit klugen Anregungen aus erster Hand. Ein Zeichen dafür, dass das Thema alle Altersgruppen betrifft und dass es sich lohnt, gemeinsam ins Gespräch zu kommen.

Der Ortsverband Hünstetten mit seinen Gästen (v.r. Helmut Fell, Magnus Heinrich und Ayşe Asar) nach Ende der Veranstaltung
Der Ortsverband Hünstetten mit seinen Gästen (v.r. Helmut Fell, Magnus Heinrich und Ayşe Asar) nach Ende der Veranstaltung

Ergänzend die Pressemeldung von Ayşe Asar)

„Schluss mit der digitalen Naivität“ – Ayse Asar fordert in Hünstetten-Görsroth strikte Regeln und Nutzungsbeschränkungen für soziale Medien

HÜNSTETTEN-GÖRSROTH, 18. Februar 2026 – „Wir können nicht länger zusehen, wie eine ganze Generation in die algorithmische Abhängigkeit rutscht“, mit diesen deutlichen Worten eröffnete Ayse Asar die Veranstaltung von Bündnis 90/Die Grünen in Hünstetten-Görsroth. Unter dem Titel „Scroll dich nicht kaputt“ diskutierte sie vor engagiertem Publikum die drastischen Auswirkungen sozialer Medien auf Kinder und Jugendliche und forderte eine Abkehr von der bisherigen Politik der bloßen Appelle.

Klare Kante: Verbote als notwendiger Schutzraum

Anders als in der bisherigen Debatte oft postuliert, sieht Asar in gezielten Verboten kein Hindernis, sondern eine notwendige Leitplanke. „Die Freiheit der Kinder endet dort, wo Konzerne ihre psychologische Entwicklung für Profite opfern“, so Asar. Sie stellte sich in Görsroth explizit hinter die aktuellen Forderungen der Nationalakademie Leopoldina:
• Striktes Konten-Verbot für Unter-13-Jährige: Keine Grauzonen mehr. Wer zu jung ist, darf keinen Zugang zu potenziell schädlichen Plattformen haben.
• Begleiteter Einstieg: Für 13- bis 15-Jährige darf es den Zugang nur mit verifizierter elterlicher Einwilligung und unter strengsten Schutzauflagen geben.

Algorithmen als Brandstifter für Gewalt und Essstörungen

Asar untermauerte ihre Forderung mit erschreckenden Daten: Die polizeiliche Kriminalstatistik 2024 zeigt einen Anstieg von Gewaltstraftaten bei Kindern um 11,3 %. „Soziale Medien wirken hier als Brandbeschleuniger. Wenn 70 % der Jugendlichen ungefragt Gewaltvideos in ihren Feed gespült bekommen, normalisiert das Aggression schon im Kinderzimmer“, warnte sie. Auch die Verdopplung der Klinikbehandlungen wegen Essstörungen bei jungen Mädchen in den letzten 20 Jahren sei ein direktes Resultat des unregulierten digitalen Drucks.

Design-Pflichten sind kein Ersatz für Altersgrenzen, sondern die Ergänzung

Während Asar weiterhin auf „Safety by Design“ (das Verbot von Sucht-Features wie Infinite Scroll) setzt, machte sie in Görsroth deutlich, dass Technik-Design allein nicht ausreicht. „Wir brauchen beides: Eine Architektur, die nicht manipuliert und suchtverstärkend wirkt UND klare Altersgrenzen, die auch technisch durchgesetzt werden – etwa durch das sichere EUDI-Wallet.“

Kritik an der Umsetzung des Jugendschutzes

Scharfe Kritik übte Asar an der aktuellen Trägheit bei der Durchsetzung bestehender Gesetze. „Der Digital Services Act (DSA) der EU gibt uns die Werkzeuge, aber wir müssen sie endlich nutzen, um die Plattformen mit empfindlichen Strafen zur Rechenschaft zu ziehen. Es darf nicht sein, dass Profitinteressen aus dem Silicon Valley über dem Kindeswohl in Deutschland stehen.“

Fazit des Abends

Ayse Asar schloss die Veranstaltung mit einer klaren Botschaft an die Eltern und Lehrkräfte in Hünstetten: „Medienkompetenz ist wichtig, aber sie darf keine Ausrede für staatliche Untätigkeit sein. Wir lassen Kinder auch nicht ohne Führerschein auf die Autobahn, in der Hoffnung, dass sie schon irgendwie klarkommen. Wir brauchen jetzt den Mut zu klaren Regeln.“