Übersicht
Am 26. Februar 2026 berichtet der Wiesbadener Kurier unter der Überschrift „Erdaufschüttungen in Görsroth: Verwaltung kontert Kritik“ über eine Reaktion der Gemeindeverwaltung auf unsere Darstellung der Erdhügel-Affäre. Wir begrüßen die Stellungnahme der Verwaltung, zentrale Fragen bleiben aber weiterhin offen und neue stellen sich.
Die Erdmenge: Ein Widerspruch in den eigenen Angaben
Die Verwaltung korrigiert die öffentlich diskutierte Erdmenge: Nicht 19.972, sondern 11.175 Kubikmeter seien tatsächlich angeliefert worden, da von der ursprünglichen Berechnung „noch der Mutterboden abzuziehen sei“.
Diese Korrektur steht jedoch im Widerspruch zu den eigenen Angaben der Verwaltung: In der Beantwortung der SPD-Fragen zur HFA-Sitzung am 08.05.2023 hatte die Verwaltung unter Frage 3 bestätigt, dass kein Mutterboden unter den angelieferten Erdmassen eingebaut wurde – mündlich und schriftlich, in öffentlicher Sitzung. Wenn aber kein Mutterboden eingebaut wurde, lässt sich die jetzt genannte Menge von 11.175 Kubikmetern rechnerisch nicht nachvollziehen. Unabhängig von der Menge wurde fremdes Erdreich ohne Baugenehmigung auf Gemeindeland verbaut.
Die Verwaltung hat Recht, dass das Thema in den gemeindlichen Gremien behandelt worden sei und Einsicht in Unterlagen des Sportvereins bestanden habe. Dass eine Ortsbesichtigung stattfand und Mandatsträger informiert wurden, stellen wir nicht in Abrede. Eine transparente, vollständige Gesamtabrechnung der Sportanlage steht aber bis heute aus und die Antwort der Verwaltung lässt einige Fragen offen.
Was die Verwaltung nicht beantwortet
Leider geht die Stellungnahme der Verwaltung nicht näher auf folgende Punkte ein:
Die Einnahmen-Diskrepanz: Laut Berichterstattung des Wiesbadener Kuriers, vom 17. Februar, besteht eine erhebliche Differenz zwischen den angelieferten Erdmengen und den dokumentierten Einnahmen des Sportvereins – der Fehlbetrag wurde zuletzt mit rund 188.000 Euro beziffert. Auf diesen Punkt geht die Verwaltung nicht ein. Dabei ist er für die Frage, ob die Gemeinde hier finanziell zu kurz gekommen ist, von zentraler Bedeutung.
Die Gesamtkosten der Affäre: In unserer Chronik haben wir die bisherigen Kosten für Gutachten und Folgeuntersuchungen auf rund 60.000 Euro beziffert. Statt eine konkrete Zahl zu nennen, verweist die Verwaltung lediglich auf „Mehrkosten durch wiederholte Eingaben“. Diese Formulierung legt nahe, dass die Kosten durch externe Nachfragen entstanden seien – nicht durch die ursprünglich fehlende Genehmigung und das daraus folgende Nachholverfahren.
Die fehlende Baugenehmigung: Auch fünf Jahre nach Beginn der Ablagerungen im Frühjahr 2021 ist die nachträgliche Baugenehmigung nicht erteilt. Wir hatten dies zuletzt im B.A.U.-Ausschuss am 4. Februar 2026 erfragt. Die Verwaltung bestätigt im Zeitungsartikel zwar implizit, dass das Verfahren noch läuft, stellt dies aber nicht als Problem dar.
Der abgelehnte Kostenantrag: Dass der SPD-Antrag auf eine detaillierte Kostenaufstellung im November 2024 im HFA mit 4:3 Stimmen abgelehnt wurde, wird nicht erwähnt – obwohl der Bürgermeister damals selbst zugesagt hat, eine solche Aufstellung nach Abrechnung aller offenen Posten vorzulegen.
Hat die Gemeinde wirklich 210.000 Euro gespart?
Die Verwaltung schließt ihre Stellungnahme mit dem Hinweis, die Gemeinde habe durch das gewählte Vorgehen rund 210.000 Euro gespart. Unterlagen, die dies untermauern, wurden den Ausschüssen oder Fraktionen aber bisher nicht vorgelegt. Gibt es hierzu Angebote oder Kalkulationen? Was ist mit den Folgekosten – Gutachten, Bodenuntersuchungen, jahrelanger Verwaltungsaufwand und eine seit fünf Jahren ungenutzte Fläche?
Vor allem aber kann eine nachträglich angenommene Ersparnis nicht darüber hinweggehen, dass der Vorgang von Anfang an hätte baurechtlich genehmigt werden müssen.
Wie das Kapitel abgeschlossen werden kann
Unsere Haltung hat sich nicht geändert. Wir freuen uns, dass das Bodengutachten abgeschlossen ist und die Erde unter Auflagen bleiben darf. Und wir wünschen uns, dass die Fläche neben dem Sportpark bald sinnvoll genutzt werden kann – als Bolzplatz, Spielplatz oder Bike-Strecke.
Damit das Kapitel aber wirklich abgeschlossen werden kann, braucht es Transparenz bei den Zahlen – und das nicht irgendwann. Wir fordern eine vollständige Kostenübersicht, eine nachvollziehbare Darstellung der Einnahmen-Mengen-Diskrepanz, den Abschluss des baurechtlichen Genehmigungsverfahrens und eine nähere Aufstellung zur nun genannten Kostenersparnis. Der Bürgermeister hat Transparenz zugesagt. Wir nehmen ihn beim Wort.
Soweit unsere Stellungnahme zum Bericht des Wiesbadener Kuriers vom 26.02.2026 unter dem Titel Erdaufschüttungen in Görsroth: Verwaltung kontert Kritik und der darin von der Verwaltung geäußerten Kritik an unserer Darstellung und Chronik der Affäre vom 22.02.2026.
Die Anfragen und Antworten vom 08.05.2023
In der öffentlichen Sitzung des Haupt- und Finanzausschuss wurde am 08.05.2023 wie folgt berichtet (nachfolgend das Dokument im Original aus dem öffentlichen Ratsinformationssystem der Gemeinde Hünstetten – siehe: https://sessionnet.owl-it.de/huenstetten/bi/to0050.asp?__ktonr=8475) – Hierbei handelt es sich laut der öffentlichen Niederschrift zur Sitzung um „… die Antworten der Verwaltung und der SG Hünstetten auf die Fragen der Fraktion B90/Grüne und der Fraktion SPD. Die Antworten werden in Schriftform der Niederschrift beigefügt.“
Siehe Frage 3 der SPD und Antwort der Verwaltung auf Seite 4 des PDF-Dokuments.